Erst jüngst sorgte die Pleite der Adler Modemärkte AG mit über 170 Geschäften für Aufsehen. Die durch Corona bedingte Schließung der Filialen und die damit verbundenen Umsatzeinbrüche sollen ausschlaggebend für die Insolvenz gewesen sein. Während der deutsche Einzelhandel stöhnt, freuen sich im Gegenzug die Online-Pure-Player, die zum Einen von Filialschließungen nicht betroffen sind, und zum Anderen durch ihr rein auf eCommerce ausgerichtetes Geschäftsmodell in diesem Vertriebsweg zur Zeit einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.
Hinzu kommen Effekte eines sich durch die Krise generell verändernden Einkaufsverhaltens der Nutzer, zum Beispiel:
1. Extreme Anstiege der Suchanfragen in den Suchmaschinen in fast allen Branchen
2. Extreme Steigerungen der Konversionsraten in Onlineshops
3. vor allem ältere Filialkunden, die erstmalig und anschließend immer öfter Online bestellen, was auch nach Corona zu keiner vollständigen Genesung des deutschen Einzel- und Filialhandels führen wird
Nicht ohne Grund sind die Aktienwerte von reinen Onlineshops in 2020 explodiert: Zalando verdoppelt, Home24 vervierfacht, usw.
Was hat Adler also falsch gemacht? Hätte nicht zumindest ein Teil der Filialumsätze durch den Onlineshop kompensiert werden können? Ein Blick in den Konzernabschluss 2019 verrät, dass der Umsatzanteil des Onlineshops gemessen an den Gesamtumsätzen mit lediglich 2% äußerst gering ist, was sicherlich auch an der Altersstruktur der Kundschaft liegt. Dennoch, wenn zu lesen ist, dass im August 2019 beschlossen wird spätestens 2021 ein neues Shopsystem einzuführen, wirft das Fragen auf wie: Warum dauert das so lange? Zwei Jahre sind im eCommerce und Onlinemarketing Äonen!
Gleichzeitig verkündet der Modehändler Walbusch – ebenso stationär wie online präsent – für 2020 ein Umsatzplus von 6,5% und eine gesunde Geschäftslage trotz streckenweise geschlossener Läden. Die Begründung: Stammkunden wechselten während des Lockdowns in den Online-Vertriebskanal des Unternehmens, weil man sich in den vergangenen zwei Jahren „sehr bewusst, konzentriert und intensiv auf eine neue Markenführung in allen Kanälen fokussiert“ hat (Marcus Leber, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb).
Bei allen meiner Geschäftspartner und -kunden aus unterschiedlichsten Branchen sind teils enorme Verwerfungen des Umsatzes hin zu Online erkennbar. E-Commerce kann dabei nicht nur Rettungsanker, sondern auch eine echte Chance zur Skalierung von Umsätzen sein. Gerade jetzt, wo sich das Such- und Surfverhalten der Nutzer im Netz drastisch ändert und die Digitalisierung schneller voranschreitet denn je, sollte kein Unternehmen den Zug verpassen, der sich bereits seit Mitte 2020 wieder in voller Fahrt befindet, vorher als Bummelzug, nun als Shinkansen. Nutzen Sie Ihre Chancen und informieren Sie sich! Und seien Sie vor allen Dingen schnell. Denn wer jetzt noch schläft, ist selber Schuld.
Weiterführend empfehle ich folgende Lektüre:
Welche Auswirkungen hat Corona auf unsere Kaufentscheidungen?
Senioren sind die am schnellsten wachsende Kundengruppe im E-Commerce: